Bedingungslos ins Leben lieben

Kinderbetreuung I
Bedingungslos ins Leben lieben

Gott kommt zur Welt, klein, arm, unscheinbar, als hilfloses Kind. Wie wir auch in die Welt kommen. Klein, arm, unscheinbar, als hilflose Kinder, die Hilfe benötigen. Wir brauchen Nahrung, ein ordentliches Bett, und, genauso wichtig, Menschen, die uns bedingungslos ins Leben lieben. Nur so können wir Urvertrauen und Bindungsfähigkeit entwickeln. Es gehört noch mehr dazu: Schutz, Struktur, ein geregelter Tagesablauf, klare Regeln und Orientierung, Vermittlung von Werten und Strategien zur Lösung von Konflikten.
Viele Familien sind aus unterschiedlichen Gründen nicht in der Lage, die erforderliche Hilfe ausreichend zu gewähren. Viele Familien benötigen Unterstützung von außen. Ich weiß darum aus meiner Arbeit als Sozialpädagogin im Fachdienst ambulante Erziehungshilfen der Sozialen Dienste. Die ganze Bandbreite von Verwahrlosung und Gewalt bis zur Überbehütung kommt da vor.
Das Kinder- und Jugendhilfegesetz schreibt fest, dass Eltern und Kinder ein Recht auf Hilfe zur Erziehung haben. Auch die evangelischen Kindertageseinrichtungen, die für alle Kinder aus unterschiedlichen Herkünften da sind, gehören zur familienergänzenden öffentlichen Erziehungshilfe. Wir brauchen evangelische Kindertageseinrichtungen, weil wir damit eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe erfüllen.  Weil Kinder in unseren evangelischen Kindertageseinrichtungen auf kindgerechte Weise biblische Geschichten kennenlernen, miteinander beten, singen, Kindergottesdienste  und Familiengottesdienste feiern. Weil Eltern und die ganze Familie dadurch als Teil der Gemeinde wahrgenommen werden und diese Familien die Chance erhalten, sich selbst als Teil der Gemeinde wahrzunehmen. So können sie vielleicht einen Zugang zum christlichen Glauben finden. Wir brauchen evangelische Kindertageseinrichtungen, weil wir eine gute Botschaft für die Welt haben.
Die Arbeit mit den Eltern bekommt dadurch einen besonderen Stellenwert. Für viele Eltern sind die Erzieherinnen  Ansprechpartnerinnen, deren Rat und Unterstützung sie suchen in persönlichen, pädagogischen und familiären Fragen. Und das ungeachtet des kulturellen Hintergrundes, der Religionszugehörigkeit oder der Nationalität. Wir können sie aus unserem Glauben heraus unterstützen. Ich wünsche unseren Gemeinden solche Kindergärten, wo genau dies geschieht. Es ist unsere Aufgabe. Auch hier gilt: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25, 40) Wir sind gefragt, wo Menschen Hilfe brauchen und sei es nur ein gutes Wort.

Helga Hoffmann ist Sozialpädagogin im Fachdienst ambulante Erziehungshilfen der Sozialen Dienste und Mitglied des Kreissynodalvorstands des Kirchenkreises Siegen.

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