Landtagspräsident Thadäus König (CDU) hat am Dienstag im Thüringer Landtag die Wanderausstellung „Wohin bringt ihr uns? - 'Euthanasie'-Verbrechen im Nationalsozialismus“ eröffnet. Die Auseinandersetzung mit den Taten des Nationalsozialismus mache deutlich, wie schnell gesellschaftliche Ausgrenzung in Entmenschlichung umschlagen könne, sagte König. Die Ausstellung zeige, wohin es führe, wenn der Wert eines Menschenlebens nach Kriterien wie Leistungsfähigkeit, Nützlichkeit oder Anpassung bemessen werde.
Die Ausstellung gebe den Opfern der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde anhand exemplarischer Biografien aus Erfurt und dem Freistaat Thüringen Gesicht und Stimme. Thematisiert werden die systematische Aussonderung, Deportation und Ermordung von Menschen mit körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen. Zugleich nimmt die Schau die strafrechtliche Ahndung der Täter sowie die gesellschaftliche Aufarbeitung der Verbrechen nach 1945 in den Blick.
Die Leiterin der Gedenkstätte Topf & Söhne in Erfurt, Annegret Schüle, betonte die Bedeutung einer inklusiven Erinnerungskultur. Die Ausstellung verdeutliche, dass die Verbrechen nicht anonyme Taten gewesen seien, sondern konkrete Menschen betroffen hätten. Erinnerung müsse daher auch heute die Perspektiven derjenigen einbeziehen, die lange an den Rand gedrängt worden seien.
Während der sogenannten Aktion T4 und weiterer Krankenmorde im Nationalsozialismus wurden zwischen 1939 und 1941 rund 300.000 Menschen mit Behinderungen ermordet. Als Grundlage diente ein Befehl Adolf Hitlers (1889-1945).