Ob Migration oder Bundesjugendspiele - die Weitsprung-Europameisterin Mihambo kritisiert, dass Sachlichkeit oft von Emotionen überlagert wird.
Das Ergebnis der Bundestagswahl hat die Leichtathletin Malaika Mihambo nach eigenen Worten nachdenklich gestimmt. Sie beklagt im Interview der "Welt" (Dienstag), dass der Fokus im Wahlkampf auf einigen wenigen Themen gelegen habe; zudem sei die Migrationsdebatte "sehr emotional" geführt worden. Das führe zu einer Verzerrung von Sichtweisen. Andere Themen wie etwa der Klimaschutz seien hingegen zu kurz gekommen. Für sie als Umweltwissenschaftlerin sei er ein zentrales Thema, "da er langfristig Auswirkungen auf unser aller Leben hat". Die Heidelbergerin Mihambo wurde vergangenes Jahr Europameisterin im Weitsprung.
Wenn politische Entwicklungen dazu führten, dass Positionen oder Bewegungen an Einfluss gewinnen, "die mit unseren demokratischen Grundwerten nicht vereinbar sind", finde sie das schwierig, erklärte Mihambo mit Blick auf den Erfolg der AfD. Es brauche zwar Wahlfreiheit, zugleich dürfe es in einer Demokratie aber keine antidemokratischen Parteien geben. "Wenn das der Fall ist, muss gehandelt werden."
Sie selbst erlebe in ihrem Alltag weniger, dass rechtsextreme Ideale verfangen. Allerdings würden in öffentlichen Debatten oder den sozialen Medien offen Aussagen geäußert, die früher undenkbar gewesen seien. Rassismus falle nicht unter die Meinungsfreiheit, betonte die Leichtathletin.
Dass der voraussichtlich nächste Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Wahlkampf auch die Bundesjugendspiele zum Thema machte und sich daraus eine neue Kontroverse entspann, sieht Mihambo als Zeichen dieser Zeit: "Es ist spannend, dass solch ein Thema so emotional diskutiert wird. Ich glaube, das ist der Zeitgeist: Dinge werden emotional diskutiert - und darüber wird die Sachebene an mancher Stelle vergessen."
Die Idee einer Abschaffung von Siegerurkunden sei gewesen, dass sich jede teilnehmende Person wohlfühlen solle. Das löse aber das eigentliche Problem nicht. "Denn unabhängig davon, ob man Erster oder Letzter wird, der eigene Wert bleibt gleich." Es gelte, den Menschen in den Fokus zu stellen - "und nicht die Leistung". So könne sich jede und jeder mit sich selbst messen, sich weiterentwickeln und eine eigene Motivation zum Sporttreiben entwickeln. "Das geht weder allein durch Sieger- oder Ehrenurkunden noch durch die Abschaffung der Urkunden. Das geht am Thema vorbei", kritisierte die Sportlerin.