Sie gehören zu den ältesten Jagd-Funden der Welt: die Speere von Schöningen. Forscher haben nun herausgefunden, dass sie doch nicht so alt sind wie vermutet. Ihrer Bedeutung tue das keinen Abbruch.
Die weltweit bekannten steinzeitlichen Jagdwaffen aus dem niedersächsischen Schöningen sind laut Archäologen jünger als angenommen. Bislang wurde das Alter der neun hölzernen Wurfspeere aus der Altsteinzeit auf rund 300.000 Jahre geschätzt, wie Forscher der Universität Mainz und des Leibniz-Zentrums für Archäologie am Montag mitteilten. Neue Daten zeigten nun, dass der berühmte Fund etwa 200.000 Jahre alt sei.
Erste Schätzungen des Alters beliefen sich zum Fundzeitpunkt in den 1990er Jahren auf etwa 400.000 Jahre, später korrigiert auf 300.000. Die aktuelle Korrektur sei unter Mithilfe der Universität York auf eine Analyse mit der sogenannten Aminosäure-Racemisierung zurückzuführen.
Der jüngere Zeitansatz schmälert den Angaben zufolge die Bedeutung der Schöninger Funde nicht. Vielmehr betonten die neuen Ergebnisse den Beitrag der Fundstelle für das Verständnis der menschlichen Verhaltensevolution. Der Fund sei nun in die Zeit der Neandertaler einzuordnen, der Mittleren Altsteinzeit. Die Funde der Speere und weiterer Jagdwaffen wiesen Jagd über den gesamten Jahreszyklus nach, hauptsächlich auf Pferde. Spezialisierte Bejagung bestimmter Tiere sei in ganz Europa erst seit 200.000 bis 250.000 Jahren nachweisbar.