2022 hatte die Eberhard Karls Universität Tübingen einen Antrag auf Änderung ihres Namens abgelehnt. Der Antisemitismusbeauftragte Blume lässt nicht locker. Er fordert, die Benennung "nach einem Judenhasser" zu beenden.
Der Antisemitismusbeauftragte der baden-württembergischen Landesregierung, Michael Blume, fordert eine Umbenennung der Eberhard Karls Universität Tübingen. Es sei notwendig, die Benennung der Uni nach einem Judenhasser und Judenvertreiber zu beenden, sagte Blume am Dienstagabend bei einem Vortrag an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität laut Manuskript.
Der Name bezieht sich auf zwei Personen: Graf Eberhard im Bart (1445-1496), der Gründer der Uni, gilt als Antisemit. Herzog Karl Eugen von Württemberg (1728-1793), der seinen ersten Namen hinzufügte, soll Männer als Soldaten ins Ausland verkauft haben.
Im Juli 2022 hatte der Senat der Hochschule einen Antrag von Studierenden auf Umbenennung der Universität abgelehnt. Für eine Streichung der beiden Personen stimmten 15 Senatsmitglieder, dagegen waren 16, und 2 enthielten sich, wie die Uni damals mitteilte. Für eine Umbenennung wäre eine Zweidrittelmehrheit notwendig gewesen.
Der von 2006 bis 2022 amtierende Rektor der Universität Tübingen Bernd Engler sagte seinerzeit nach der Senatsentscheidung, die Uni wende sich seit Jahrzehnten gegen Antisemitismus, Rassismus und die Benachteiligung von Minderheiten. Der Name der Uni habe nie eine "unkritische Würdigung" beider bedeutet. Sie hätten Bedeutendes für die Universität geleistet, seien aber "Menschen mit Fehlern" gewesen. Engler bat alle, die getroffene Entscheidung zu respektieren.
Blume machte nun einen konkreten Vorschlag für eine Namensänderung. Er fände es gut, "wenn wir statt dem Grafen mit ewigem Bart seine viel zu unbekannte Ehefrau, die Herzogin Barbara Gonzaga (1455-1503) zur Namensgeberin erheben". Blume fügte hinzu: "Sie erduldete nicht nur den schwierigen Gatten, sondern brachte aus Italien Ideen des Humanismus und der Bildung auch für Frauen, förderte auch diese Universität."
Eine Arbeitsgruppe von Historikern hatte im Frühjahr 2022 ein Gutachten zu beiden Namensgebern der Eberhard Karls Universität Tübingen vorgelegt. Demnach lässt sich bei Graf Eberhard von Württemberg aus zeitgenössischen Dokumenten eine judenfeindliche Haltung belegen. So habe er entschieden, Aufenthaltsgenehmigungen für in Tübingen ansässige Juden nicht mehr zu verlängern. Herzog Karl Eugen sei für den bereits von Zeitgenossen kritisierten Verkauf württembergischer Soldaten an auswärtige Mächte verantwortlich gewesen, um der Staatskasse zusätzliche Einnahmen zu sichern. Das Gutachten verwies aber auch darauf, dass die Politik und der persönliche Einsatz beider Herrscher entscheidend für die Gründung der Universität Tübingen im 15. Jahrhundert und den Fortbestand der Universität im 18. Jahrhundert gewesen seien. Die negativen Seiten beider Persönlichkeiten seien Ausdruck zeittypischer Haltungen.
Blume verwies zudem darauf, dass seine eigene frühere Schule in Filderstadt erfolgreich den Schritt einer Umbenennung vollzogen habe - vom Eduard-Spranger-Gymnasium zum Elisabeth-Selbert-Gymnasium. "Und wenn Filderstadt so etwas schafft - warum dann nicht auch Tübingen", fragte Blume und ergänzte: "Unser Motto hier war und ist doch: Attempto!" (Ich wag's). Der 47-jährige Blume hat selbst an der Universität Tübingen Religions- und Politikwissenschaften studiert und am Institut für Religionswissenschaft promoviert.
Der Philosoph und Pädagoge Eduard Spranger (1882-1963) geriet in den vergangenen Jahren in die Kritik, weil er laut Historikern demokratiefeindlich und nationalistisch eingestellt war. Die Juristin Elisabeth Selbert (1896-1986) hat setzte 1949 bei den Verhandlungen über die Verfassung der Bundesrepublik den Grundsatz "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" durch.