Gießen: Antisemitismusbeauftragter sieht wachsende Pogromstimmung

Nach dem Brand vor der Synagoge in Gießen ist ein 32-Jähriger wegen Verdachts der schweren Brandstiftung festgenommen worden. Der hessische Antisemitismusbeauftragte zeigt sich alarmiert.
Gießen: Antisemitismusbeauftragter sieht wachsende Pogromstimmung
In Gießen wurde ein Tatverdächtiger nach einer Brandstiftung an einer Synagoge festgenommen
Imago/Zoonar
Der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker sieht eine "wachsende Pogromstimmung" gegen jüdisches Leben in Deutschland. Becker erklärte anlässlich der mutmaßlichen Brandstiftung an der Synagoge in Gießen: Unabhängig davon, ob der Täter psychisch stabil oder krank sei, geschehe diese Tat "in einem antisemitisch vergifteten Klima", das sich immer weiter verschlechtere. In dieser Atmosphäre würden auch jene zu antisemitischen Straftaten verleitet, "die selbst ohne tiefergehende politische Absicht handeln". Die mutmaßliche Brandstiftung an der Gießener Synagoge sei auch das Ergebnis einer "wachsenden Pogromstimmung, der wir gegenwärtig als Gesellschaft in Deutschland und Europa noch zu wenig entgegensetzen", so Becker.

Gießen: Ermittlungen klären politische Motive des Tatverdächtigen

Nach dem Brand von mehreren Müllcontainern vor der Synagoge in Gießen ist ein Tatverdächtiger festgenommen worden, wie die Staatsanwaltschaft Gießen und das Polizeipräsidium Mittelhessen mitteilten. Die Haftrichterin des Amtsgerichts Gießen ordnete seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Es hätten sich Hinweise auf eine psychische Erkrankung des Mannes ergeben. "Inwiefern dem Tatgeschehen eine gezielte politische Motivation zugrunde lag, ist Gegenstand der weiteren Ermittlungen", hieß es. Dem 32-jährigen Deutschen wird auch vorgeworfen, den "Hitlergruß" in Richtung Synagoge gezeigt zu haben. Es gebe den dringenden Tatverdacht der schweren Brandstiftung und des Verwendens verfassungswidriger Kennzeichen. Der Mann soll zunächst mehrere auf der Straße befindliche und mit Pappe und Altpapier befüllte Rollcontainer in den Eingangsbereich der Synagoge geschoben und das darin befindliche Papier sowie die Container in Brand gesetzt haben.

Brand vor Synagoge verursacht Sachschaden am Gebäude

"Im Zuge des Brandes entstand sowohl im Eingangsbereich der Synagoge als auch am Gebäude selbst Sachschaden in bislang unbekannter Höhe", hieß es. Aufgrund des zügigen Einschreitens eines Passanten habe der Brand schnell gelöscht und ein Ausbreiten der Flammen auf die Synagoge verhindert werden können.

👋 Unser Social Media