Für Menschen mit einer anhaltenden Trauerstörung gibt es neue Hoffnung: An der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) sind zwei Therapieverfahren erfolgreich getestet worden, wie die KU am Donnerstag mitteilte. In einer psychologischen Studie wurden die Methoden bei mehr als 200 Patienten angewandt: „Die Ergebnisse geben Anlass zur Hoffnung, dass Betroffenen geholfen werden kann“, hieß es.
Bei einer anhaltenden Trauerstörung kommen Menschen über den Verlust eines Familienmitglieds oder engen Freundes über Jahre nicht hinweg. Medikamente greifen laut KU nicht, doch in vielen Fällen könne eine Psychotherapie helfen. Früher seien Betroffene wie Patienten mit Depression oder posttraumatischer Belastungsstörung behandelt worden, erklärte Rita Rosner, Inhaberin des Lehrstuhls für Biologische und Klinische Psychologie der KU. Diese Behandlungsweisen hätten aber „nicht so richtig gepasst“.
Rosner entwickelte gemeinsam mit Kollegen die Kognitive Verhaltenstherapie, die sich auf den auslösenden Moment konzentriert. Dagegen arbeitet die Gegenwartsakzentuierte Therapie daran, die aktuellen Probleme des Patienten zu bewältigen. Diese Methoden wurden nun wissenschaftlich erprobt und haben sich beide als wirksam erwiesen.
Dass Menschen nach dem Tod eines Angehörigen trauern, ist normal. Dabei nimmt der Schmerz laut KU üblicherweise innerhalb eines Jahres langsam ab, danach fühlten sich die Menschen im täglichen Leben kaum noch eingeschränkt. Bei Anhaltender Trauer dagegen träten noch viel länger heftige Sehnsucht, Hilflosigkeit, Angst oder Wut auf.
„Es ist ein Schmerz, der nicht vergeht“, erklärte Rosner: „Die Gefühle überwältigen den Betroffenen, was jeden Aspekt des Lebens beeinträchtigen kann.“ Die anhaltende Trauerstörung gilt als medizinische Diagnose. Experten gehen davon aus, dass etwa fünf Prozent der Trauernden eine solche Störung entwickeln.
Betroffene können laut Rosner teilweise ihrem Beruf nicht nachgehen oder sich nicht mehr um die Familie kümmern. Die ungebrochenen Sehnsuchtsgefühle könnten sich auch darin äußern, dass das Zimmer des verstorbenen Kindes unangetastet bleibt oder die Jacke des verstorbenen Ehemanns noch immer an der Garderobe hängt.
Für die Studie wurden mehr als 200 Patientinnen und Patienten behandelt und der Erfolg der Therapie zweimal überprüft. Rosner zufolge bestätigt die Studie, wie wichtig es ist, verschiedene Behandlungsansätze zur Verfügung zu haben. Die Psychotherapieforschung stehe auf diesem Gebiet noch am Anfang. (00/3696/21.11.2024)