Angola, Sambia und Burundi führen die Rangliste der vergessenen humanitären Krisen 2023 an. Das Hilfswerk Care stellte am Donnerstag seinen jährlichen Bericht über zehn humanitäre Krisen vor, die unter dem Radar der Öffentlichkeit stattfinden. Zum zweiten Mal in Folge spielen alle aufgelisteten Krisen auf dem afrikanischen Kontinent ab.
"Sie haben eines gemeinsam: Sie sind chronisch und schon lange anhaltend", sagte Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin der Hilfsorganisation in Österreich. Das Augenmerk von Menschen liege aber immer auf dem Neuen - das sei ein Grund für die wenige Berichterstattung.
Dürren, Überschwemmungen sowie Hunger sorgten dafür, dass in Angola im vergangenen Jahr mehr als sieben Millionen Menschen humanitäre Hilfe benötigten. Das westafrikanische Land landete bereits 2022 auf Platz eins der vergessenen Krisen. Und: "Die weltweite humanitäre Not war noch nie so groß wie 2023", sagte der Generalsekretär von CARE Deutschland, Karl-Otto Zentel.
Für das neue Jahr erwartet die Hilfsorganisation, dass weltweit 300 Millionen Menschen humanitäre Hilfe benötigen werden; die Hälfte von ihnen in den zehn aufgelisteten Ländern. Nach Angaben von Care hilft mediale Aufmerksamkeit dabei, mehr finanzielle Unterstützung zu gewinnen. Die Hilfsorganisation fordert daher Regierungen auf, dafür zu sorgen, dass Journalisten sicher und undabhängig berichten können. Gleichzeitig beobachtet sie, dass personelle und finanzielle Ressourcen bei den Medien zurückgehen.
Nach Angola folgt auf dem zweiten Platz Sambia, wo 1,35 Millionen Menschen von Hunger betroffen sind. Das Land leidet besonders unter den Folgen des Klimawandels. Ähnliches gilt auch für Platz drei der vergessenen Krisen: In Burundi kämpft die Bevölkerung regelmäßig gegen Überschwemmungen. Fast 70.000 Menschen wurden dadurch vertrieben.
Trauriger Rekordhalter im Ranking ist die Zentralafrikanische Republik. Über die rund drei Millionen Menschen, die hier humanitäre Hilfe benötigen, wird seit sieben Jahren wenig berichtet.
Seit 2016 bringt Care den Bericht der medial unterrepräsentierten Krisenregionen heraus. Analysiert wurden neun Monate lang 5 Millionen Online-Artikel in fünf Sprachräumen über insgesamt 48 Krisen, die mehr als eine Million Menschen betreffen. Daraus wurden jene zehn Krisen mit der geringsten medialen Präsenz ermittelt.