Im Sudan-Krieg hat die paramilitärische RSF-Miliz laut Amnesty International bei Angriffen auf das Flüchtlingslager Zamzam schwere Verbrechen verübt. Überlebende hätten von gezielten Tötungen von Zivilisten, Geiselnahmen, Plünderungen sowie der Zerstörung von Schulen, Moscheen und medizinischen Einrichtungen berichtet, hieß es in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation. Zamzam ist das größte Camp für Geflüchtete in der westsudanesischen Region Darfur.
„Der schreckliche und gezielte Angriff der RSF auf verzweifelte, hungernde Zivilisten im Zamzam-Camp hat einmal mehr ihre alarmierende Missachtung menschlichen Lebens offengelegt“, erklärte Amnesty-Generalsekretärin Agnès Callamard. Dies sei kein Einzelfall, sondern Teil einer anhaltenden Kampagne gegen Dörfer und Camps für Binnenvertriebene.
Laut Amnesty haben RSF-Kämpfer Zamzam vom 11. bis 13. April 2025 angegriffen. Augenzeugen sprachen dem Bericht zufolge von 47 getöteten Zivilisten, darunter Ältere und Menschen mit Behinderungen. Die Organisation stützt ihre Vorwürfe auf 29 Interviews sowie auf die Auswertung von 44 Videos und Satellitenbildern.
#400.000 Menschen mussten fliehen
RSF-Kämpfer setzten demnach auch Sprengwaffen in bewohnten Gebieten des Flüchtlingscamps ein. Sie seien dabei beobachtet worden, wie sie wahllos in Wohngebieten schossen. Das sei ein schwerer Verstoß gegen das Völkerrecht. Der Angriff in Zamzam führte laut Amnesty allein am 13. und 14. April zur Flucht von rund 400.000 Menschen aus dem Lager.
Im Sudan hat der 2023 zum Krieg eskalierte Machtkampf zwischen der Armee und der RSF eine der gravierendsten Hunger- und Vertreibungskrisen der Welt verursacht. Rund 30 Millionen der etwa 47 Millionen Sudanesinnen und Sudanesen brauchen den Vereinten Nationen zufolge Hilfe zum Überleben, mehr als zwölf Millionen sind auf der Flucht. Zehntausende Menschen sind getötet worden.