8. Mai 1945: Historiker warnt vor Geschichtsverfälschung

Der Jenaer Historiker und Publizist Norbert Frei hat vor geschichtsverfälschenden Aussagen zum 8. Mai 1945 gewarnt. „Den 8. Mai als Tag der Befreiung zu verstehen, ist schlecht zu vereinbaren mit dem geschichtsrevisionistischen Blick auf die Deutschen als Opfer, mit dem Gerede vom 'Schuldkult', wie es die inzwischen größte Oppositionspartei im Bundestag propagiert“, sagte der emeritierte Professor am Donnerstagabend bei einer Gedenkveranstaltung zum Ende des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren in der Bremischen Bürgerschaft.

Am 8. Mai 1945 sei es nicht um die Befreiung der Deutschen gegangen: „Es ging und musste gehen um die Befreiung Europas und der Welt vom Nationalsozialismus, vom Faschismus“, sagte Frei laut Manuskript. Dafür hätten Amerikaner, Briten und ihre westlichen Verbündeten in einer historisch einzigartigen Koalition mit der Sowjetunion gekämpft.

Die Vorstellung, die Nationalsozialisten seien 1933 wie eine äußere Macht über die Deutschen gekommen und im Moment der Befreiung irgendwie spurlos verschwunden, sei falsch: „Weder sehnten sich 1945 alle Deutschen nach politischer Befreiung, noch wollten die Alliierten all jenen, die das NS-Regime bis zuletzt mitgetragen hatten, den Ausweg gestatten, sich als befreit zu verstehen.“ 80 Jahre nach Hitler sei Deutschland mit einem Aufstieg der Rechtsradikalen konfrontiert, wie er noch vor einem Jahrzehnt nicht mehr für möglich gehalten wurde, betonte der Historiker.

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